Ja, was gibt’s Neues?
Ich hab mich mit meinem neuen Projekt ein bisschen weit aus dem Fenster gelehnt und jetzt zwickt es gelegentlich. Weil „Rambach“ so gut gelungen war, habe ich mich gleich an die Königsdisziplin der Schriftstellerei herangemacht und arbeite jetzt an einem Schelmenroman. Inzwischen bin ich beim x-ten Neuanfang angelangt, weil alles, was ich bisher geschrieben habe, zu wenig schräg war. Dieser Roman soll ja ein Erfolg werden.
Jetzt das Neue: Ich fahre zurzeit zweigleisig, denn bis zum Sommer hin werde ich ein Büchlein herausbringen, das mich mit fremden Federn schmückt. In diesem Buch gibt es dann äußerst humorvolle Mundartgedichte meines Großvaters Adolf Walli, garniert mit Kurzgeschichten von Willi Markom und von mir.
Zur Einstimmung zwei der Gedichte von Adolf Walli:
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Die eheliche Geburt
Beim Gricht, da habn’s zum Hiasl gsagt:
„Sie haben jetzt geschworen,
sind Sie, wie’s hier im Taufschein steht, auch ehelich geboren?“ –
„Zur Halbscheid", sagt der Hiasl drauf, "so viel als was i waß!“ –
„Ein so ein Unsinn! – Halb und halb! –
ja Sie, was heißt denn das?“ –
„Ja mei“, so moant der Hiasl gschwind,
„dös is a so, i bitt,
Da Voda is verheirat gwest,
Da Muatta aber nit.“
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Die Sessel
„Sie Zeuge“, moant der Richter, „haben angegeben,
der Erstbeklagte tat zuerst den Sessel heben,
worauf in Gegenwehr der zweite Angeklagte
den andren Sessel schreiend mit zwei Händen packte
und dann, dann haben beide, wie Sie eben sagen,
mit diesen Sesseln aufeinander losgeschlagen.
Warum haben Sie denn aber, und das sei bekrittelt,
bei dieser Rauferei im Anfang nicht vermittelt?
Dem Mittler ist ja öfter ein Erfolg beschieden,
warum, Herr Zeuge, schafften Sie nicht gleich den Frieden?“
„I bitt, Herr Rat, ich tat mich ohnehin sehr giften,
ich wollte eh sehr gerne einen Frieden stiften,
doch war, und deretwegen ließ ich das leider bleiben,
ein dritter Sessel dorten nicht mehr aufzutreiben!“
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